Letzte Aktualisierung:16. Oktober 2021

 G e n d e r

Der englischsprachige Begriff "Gender" bedeutet in der deutschen Sprache "Geschlecht".

  • Mit Gender bezeichnet man die Geschlechtsidentität und die Geschlechterrollen
    [Genus] (grammatisches Geschlecht)
  • und mit Sex das biologische Geschlecht [Sexus]

Der Begriff „Gendern“ wird umgangssprachlich verwendet, wenn von einer geschlechtergerechten Sprache die Rede ist.

Die Inanspruchnahme für den Begriff „Gendern“ erfolgt aus verschiedenen Richtungen:
  1. Einbeziehung aller geschlechtlichen Identitäten, "Drittes Geschlecht"
  2. Gleichstellung von Frau und Mann
  3. Beachtung der sexuellen Ausrichtung

Viele beziehen bei ihrer gendergerechten Sprache oft nur die Gleichstellung von Frau und Mann ein.
Wenn man aber eine umfassende geschlechtergerechte Sprache möchte, muß man alle geschlechtlichen Identitäten berücksichtigen!


 Geschlechtliche Identitäten

Welche geschlechtliche Identitäten gibt es?

    • Cisgender
      Die Vorsilbe Cis wird benutzt, um auszudrücken, dass sich ein Mensch mit dem Geschlecht identifiziert, mit dem er geboren wurde.
    • Transsexuell
      Transsexuelle Menschen möchten ihr Geschlecht wechseln, von Mann zu Frau oder von Frau zu Mann. Sie haben das Gefühl, im falschen Körper gelandet zu sein. Transsexuelle möchten als Angehörige des jeweils anderen Geschlechts leben und anerkannt werden. Körperlich weibliche Personen, die Mann sein wollen, werden als Transmänner bezeichnet. Physisch männliche Personen, die als Frau leben wollen, werden Transfrauen genannt.
    • Intersexuell "drittes Geschlecht"
      Bei intersexuellen Menschen lassen sich die körperlichen Eigenschaften wie die Genitalien oder die Chromosomen nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen. Intersexuelle Kinder werden oft noch als Babys zu einem Geschlecht um operiert.

Hinweis
Die geschlechtlichen Identitäten werden bereits jetzt schon berücksichtigt.
Sehen kann man das z.B. bei Stellenangeboten in Zeitungen.
Hier tauchen dann für die Bewerber die Beschreibungen auf:

  • [ m / w / d ]    ➢   männlich / weiblich / divers
  • [ m / w / i ]     ➢   männlich / weiblich / intersexuell
  • [ m / w / a ]    ➢   männlich / weiblich / anders
  • [ m / w / x ]    ➢   männlich / weiblich / egal welches Geschlecht
  • [ m / w / gn ]  ➢   männlich / weiblich / geschlechtsneutral
  • [ m / w / * ]    ➢   männlich / weiblich / Platzhalter für Geschlecht

Sprachwissenschaftler weisen im Rahmen der aktuellen Diskussionen stets darauf hin, dass Personenbezeichnungen generisch maskulin sind und in der bisherigen Verwendung keineswegs nur Männer meinen, sondern Männer und Frauen gleichermaßen.
Damit wären rein sprachwissenschaftlich die Probleme mit der Betitelung des dritten Geschlechts bereits gelöst.


 Gleichstellung von Frau und Mann

Gerade Frauenrechtsaktivistinnen haben sich mit ihrer Ansicht durchgesetzt, dass weibliche Personenbezeichnungen ausdrücklich genannt werden sollten.
Sie fordern eine geschlechtergerechte Sprache, egal wie verständlich diese dann ist.

Natürlich hat sich die Sprache schon immer verändert und wird sich auch weiterhin ändern.
Zum Beispiel findet der früher verwendete Begriff „Fräulein“ für eine unverheiratete Frau heute im Sprachgebrauch fast nicht mehr statt.

Aber das "Gendern" verkompliziert die Sprache, sie wird wird missverständlich und benachteiligt Menschen, die auf eine Vorlesefunktion angewiesen sind.
Gendern erschwert die Verständigung.

Die Verfechter des Genderns rücken oftmals das biologische Geschlecht in den Vordergrund, ohne das "Dritte Geschlecht zu beachten. Sie werfen das grammatische Geschlecht (Genus) und das biologische Geschlecht (Sexus) durcheinander (siehe oben).

Der Rat für deutsche Rechtschreibung (RdR) hat sich am 26. März 2021 mit dem Gendersternchen befasst und „die Aufnahme von Asterisk (,Gender-Stern‘), Unterstrich (,Gender-Gap‘), Doppelpunkt oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehr geschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern in das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung zu diesem Zeitpunkt  nicht  empfohlen“.
Der Rat erkennt an, „dass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden soll und sie sensibel angesprochen werden sollen“, gibt jedoch zu bedenken, dies sei „eine gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht allein mit orthografischen Regeln und Änderungen der Rechtschreibung gelöst werden kann“.

Gendern ist nicht das Ergebnis von natürlichem Sprachwandel.
Es ist der Versuch einer kleinen Gruppe, der übrigen Gesellschaft ihre Privatgrammatik aufzudrücken - für welche Ziele auch immer und die Medien können und wollen sich dem nicht entziehen, um nicht in die Ecke der "Frauenfeindlichkeit" gedrückt zu werden.


Der, Die, Das

Der Mond ist nicht männlich, die Wüste nicht weiblich, das Meer nicht sächlich, alle haben nur ein grammatisches Geschlecht.

Es gibt, wie bereits ausgeführt, ein biologisches und ein grammatisches Geschlecht. Beide Arten können sich überlagern, müssen es aber nicht.

Viele Handwerksberufe sind historisch gewachsen - generisch maskulin, beziehen aber Männer und Frauen gleichermaßen ein.

"Bäcker" z.B. bezeichnet den Berufsstand des Backhandwerks, der lange Zeit von Männern ausgeübt wurde. Als Frauen ebenfalls diesen Beruf ausübten, entstand der weibliche Begriff "Bäckerin". Die Berufsbezeichnung "Bäcker" hingegen blieb männlich und generisch.

Beispiel:
Ich gehe zum Bäcker. Jeder weiß, wohin ich gehe. Dabei ist es egal, welche geschlechtliche Identität oder sexuelle Neigungen die konkrete Person Bäcker hat.
Ich möchte ganz einfach Backwaren kaufen, in sehr guter Qualität!


 Wie wird nun "gegendert" ?

Im Deutschen werden dafür verschiedene Formen verwendet:

  • Gender-Langform [Doppelnennung]
    Beispiele:
    „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“
    „Studentinnen und Studenten“
  • Diese Form wird schon seit langer Zeit so angewendet, auch ohne Gerder-Aufforderung.

    Lustig:
    Im Internet fand ich die Beschreibung:" ... jedermann und jedefrau ..."

  • Gender-Kurzformen
    • Das große Binnen-I

      Beispiele:
      BürgerInnen           Reader liest:[Bürgerinnen]
      MitarbeiterInnen     Reader liest:[Mitarbeiterinnen]
      Das Binnen-I soll die Doppelnennung vermeiden.
      Diese Form klappt aber nicht immer, z.B. bei ArztIn.

      Kritik
      • Nur die weibliche und die männliche Form werden berücksichtigt.
      • Reader-Programme machen im Wort keine Pause, d.h. sie lesen nur die weibliche Form vor!

    • das Gender-Sternchen

      Beispiele:
      Student*innen         Reader liest:[Student-Stern-innen]
      Mitarbeiter*innen     Reader liest:[Mitarbeiter-Stern-innen]
      Das Gender-Sternchen soll die Doppelnennung vermeiden.
      Es soll alle geschlechtlichen Identitäten einbeziehen.

      Kritik
      • Reader-Programme kommen damit nicht zurecht.

    • Trennung durch Schrägstrich, Unterstrich [Gender-Gap] oder Doppelpunkt

      Beispiele:
      Student/-innen        Reader liest:[Student / Pause / innen]
      Student_innen        Reader liest:[Student Unterstrich innen]
      Student:innen         Reader liest:[Student / Pause / innen]
      Diese Zeichen sollen ebenfalls die Doppelnennung vermeiden.
      Es sollen alle geschlechtlichen Identitäten einbezogen werden.

      Kritik
      • Diese Formen lassen sich nicht gut aussprechen und stören im Text.
      • Bei einer nachlässigen Aussprache kann man denken, es seien nur weibliche Personen gemeint.
      • Reader-Programme kommen nicht mit allen Formen zurecht.

    • Schreibweise mit X

      Beispiele:
      ProfessX [anstelle von Professorin oder Professor]       Reader liest:[Professix]
      Dieses Zeichen soll ebenfalls die Doppelnennung vermeiden.
      Es soll auch an Transsexuelle gedacht werden.

      Kritik
      • Diese Form ist schon sehr abgefahren !
      • Reader-Programme kommen damit nicht zurecht.

    • Geschlechtsneutrales Plural [Substantivierte Partizipien]

      Beispiele:
      Studierende
      Mitarbeitende
      Diese Form soll ebenfalls die Doppelnennung vermeiden.
      Problem:hier wird ausgedrückt, daß die Person gerade dabei ist, etwas zu tun, aber sie ist nicht permanent dabei zu studieren oder mitzuarbeiten.
      Diese Form läßt sich oft nicht bilden:z.B. bei Schüler und Schülerinnen oder für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.


    • Neutrale Formulierungen

      Beispiele:
      Person
      Lehrkraft
      Hierzu zählen auch Wörter wie : alle, niemand oder jemand
      Diese Form soll ebenfalls die Doppelnennung vermeiden.


 Meine Position

Ich lehne generell eine "gegenderte" Sprache ab.
  • Gendern verhunzt die deutsche Sprache.
  • Texte werden leicht unverständlich oder auch mißverständlich.
  • Die Vorlesefunktion funktioniert nicht richtig. Das ist schlecht für Menschen, die darauf angewiesen sind.
  • Die Stellung der Frau in der Gesellschaft kann nicht über die Sprache verbessert werden.
  • Texte mit der Gender-Langform werden deutlich größer.

 Abgefahrenes

Bild vom 24.6.2021
„Käufens“ statt „Käufer“ – Leute sollen jetzt mit „ens“ gendern!
Die Diskussion über das Gendern der Sprache treibt immer seltsamere Blüten. ...
Der ehemalige Gender-Studies-Professor Lann Hornscheidt erlangte im Jahr 2015 Aufmerksamkeit, weil er von seinen Studenten als „Sehr geehrtx Profx“ angesprochen werden wollte.
Hornscheidt hatte einen eigenen Vorschlag fürs Gendern:
Die Endung „ens“, der Mittelteil von „Mensch“, könnte für alle stehen, heißt es – völlig ernst gemeint.
Der ProfX trug dann auch ein Beispiel vor:
Anstatt „Ein Käufer und sein Einkaufskorb“, solle man lieber „ens Käufens und ens Einkaufskorb“ sagen!
Das sei, so Hornscheidt, eine „neue Form“ des Sprechens, die „die Gesellschaft zusammenführt“.



 Gefundene Begriffe



  Begriff gegendertNicht gegendert
 Demokrat*innenDemokraten
 Forscher*innenForscher
 Journalist*innenJournalisten
 Leser*innenkommentarLeserkommentar
 Wähler*innenWähler
 
 Businesspartner:inBusinesspartner
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