Ansicht der Statthalterei

              Ansicht der Stadthalterei

Als Hirschgarten bezeichnet man den freien Platz gegenüber der ehemaligen Statthalterei, der heutigen Staatskanzlei.

Der Statthalter Anselm Franz Freiherr von Warsberg war es, der für einen ungehinderten Blick auf die prachtvolle Architektur der Statthalterei sorgte.
Für diese Ziel kaufte er mit Staatsgeldern und privatem Kapital alle der Statthalterei gegenüberliegenden Häuser auf und lies diese dann abreisen.
Zu den Häuser gehörten das Haus zum "Kleinen Falkenstein",
das "alte Salzkärrner-Häuschen", das Haus "Zur schwarzen Gabel",
das Haus zur "Güldenen Henne", das Haus zum "Christoffel",
den großen Biereigenhof zum "Granatapfel", zur "Kleinen Grabscheit",
sechs an der Lohbank gelegene Häuser nebst Gärten,
das Haus zur "güldenen Straußfeder", das Haus zum "Mohrenkopf"
und zum "güldenen Sech".
Das alles begann 1732.

In den Jahren 1734 bis 1740 wurde der Platz als eingezäunte Gartenanlage geschaffen und mit Wild besetzt.
Daher wurde dem Platz der Name Hirschgarten gegeben. Dieser Name ist bis heute erhalten geblieben.


Ansicht der Baugrube

              Die verbliebene Baugrube, mitten in der Stadt

Mitte der achtziger Jahre beschloss die damalige DDR-Führung auf Teilen des Hirschgartens ein monströses Bauwerk zu errichten, ein Haus der Kultur. Der Betonklotz wurde in Erfurt bereits in der beginnenden Rohbauphase als "Schiffshebewerk" bezeichnet.

Weiter als bis zum Rohbau hat es das Bauwerk zum Glück nicht geschafft. Dann kam die Wende.

Nach der Wende gab es hitzige Debatten über die Weiterverwendung der Bauruine. Vieles war im Gespräch.
Es gab Pläne zum Abriss des Rohbaues und dem Neuaufbau eines Musikzentrums, als Ersatz für das alte Opernhaus.

Die Thüringische Landesregierung beschloss 1994 in einer Kabinettsitzung den Abriss der Bauruine.


Natürlich ohne Hirsch

So könnte es aussehen

Und nun soll der Hirschgarten neu bebaut werden ...

Nicht etwa, dass die Baugrube wieder geschlossen wird, eine Begrünung erfolgt und das ganze neu als Parkanlage genutzt werden kann. Zusätzlich könnte ja auch das zweite Wachhäuschen wieder aufgestellt werden.

Nein. Das wäre zuviel Grün in der Stadt.

Außerdem würde ja die Stadt eine gut und teuer zu verkaufende Fläche förmlich verschenken. Bebaut werden soll diese Fläche auf jeden Fall. Entweder mit weiterer Verkaufsfläche, eventuell mit Wohnungsbau oder mit nicht benötigten Büroflächen.
Das alles kann Erfurt an dieser Stelle nicht gebrauchen.

Insgesamt ist der ganze Vorgang sowohl von der Landes- als auch von der Kommunalpolitik eine Schande, hier keine gemeinsame Lösung im Sinne der Landeshauptstadt und für ihre Besucher zu finden.

Folgende Aktionen sind in der letzten Zeit zu vermelden:

  • 25.02.2005
    Die größte Spielwarenfachmarktkette Toys"R"us hat Interesse für ein Projekt am Hirschgarten. Man verspricht das Anbieten von Markenartikel für Kinder von Action Man über Ravensberger bis Zapf.
    16.03.2005 Die US-Investmentfirma Kohlberg Kravis Roberts und eine weitere Managementgruppe bieten jeweils mehr als 5 Milliarden Dollar für Toys"R"Us. Der angeschlagene Spielwarenhändler ist einer Übernahme nicht abgeneigt. Toys"R"Us hatte vor etwa 7 Monaten sein Spielwaren-Geschäftsbereich zum Verkauf gestellt.
  • 17.02.2005
    Architekturstudenten der Fachhochschule schlagen im Zuge von Projektarbeiten die Zwischennutzung als Eislaufbahn, und im Sommer als Rollschuh- und Inlineskaterbahn.
  • 26.01.2005        Sitzung des Stadtrates
    Tagesordnungspunkt 23 "Informationen zur Zwischenkonzeption Hirschgarten - Sommernutzung"
  • 06.01.2005        Mögliche Lückenfüller
    Von Ritterspielen, Biergarten, Poolbar bis zum Blumen- und Gartenmarkt reichen die Vorschläge.
    Der alte Bauzaun ist abgebaut.
  • 02.02.2006 Die vier bisher ganz geheim gehaltenen Fassadenentwürfe wurden veröffentlicht.
    Am 16. Februar sollen sich Ausschüsse positionieren und der Stadtrat am 22. Februar entscheiden.
  • 22.02.2006 Stadtratssitzung
    Im April 2006 sollen 6000 Bürger zum Thema Hirschgarten-Bebauung befragt werden. Die angekündigte Grundsatzentscheidung wurde vertagt. Der Vorschlag des CDU-Stadtrates Peter Kentner mit seiner Meinung: "Ich will Bürgerwillen durchsetzen und nicht den der Fraktion" und seinen Vorschlägen, parallel zur OB-Wahl am 7.Mai alle Erfurter zu befragen, wurde über alle Fraktionen abgelehnt. Nun wird frühestens Ende April neu entschieden.
  • 16.03.2006 Stadtratssitzung
    Der Extrabogen zum Thema Bebauung Hirschgarten, der der Haushaltsbefragung beigelegt werden sollte, ist nicht rechtzeitig fertig geworden. Somit wird es erst kurz vor der OB-Wahl zur Befragung kommen.
  • 01.02.2007 Fachhochschule Erfurt
    27 Landschaftsarchitektur-Studenten stellen im Europäischen Informationszentrum ihre Gestaltungsentwürfe für die Grünanlage des Hirschgartens vor. Das Projekt steht unter bestimmten Vorgaben, so der leitende Prof. Schumacher:
    - keine Bedingung, ob das zweite Wachhäuschen einzubeziehen ist
    - einzubeziehen sind die großen Baumhöhen im alten Hirschgarten
    - lt. Vorstellungen der Staatskanzlei sieht diese den Hirschgarten als ihren "Vorgarten"
    - lt. Vorgabe der Stadt für den parallel laufenden städtischen Wettbewerb steht die Maßgabe einen offenen, repräsentativen Platz für politische Veranstaltungen zu berücksichtigen

    Lt. Aussagen des zur Eröffnung anwesenden Stadtplanungsamtschef Holger Hille soll der städtische Auslobungsentwurf noch im März dem Stadtrat mit einem Zeit- und Finanzierungsplan vorgelegt werden.



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